Darum tut es gut, sich mit dem Tod auseinander zu setzen

Wir haben den Tod sehr erfolgreich aus unserem Leben verdrängt.

Das ist einerseits ein Erfolg: Wir leben länger und sterben später. Es sterben weniger Frauen und Kinder bei der Geburt. Es gibt weniger Arbeitsunfälle als zur Zeit unserer Vorfahren und viele Krankheiten können heute geheilt werden. Die gestiegene Lebenserwartung ist ein grosses Geschenk.

Extern sterben

Das Verdrängen des Todes hat auch damit zu tun, dass nicht mehr so häufig zu Hause gestorben wird. Früher waren die Familien für die Pflege der betagten Familienmitglieder zuständig und auch im Sterben standen sie ihren Nächsten bei. Nach dem Versterben wurden die Toten oft noch zu Hause aufgebahrt. Der tote Körper kühlte sich langsam zu Hause aus und die Gemeinschaft hatte Gelegenheit, sich von der verstorbenen Person zu verabschieden. Dabei war der Tod natürlicherwise für alle fassbar – manchmal näher und häufiger, als einem lieb war.

Heute wird oft extern gestorben: in einem Spital, in einem Alters- und/oder Pflegeheim, in einem Hospiz. Dabei stehen einem Fachpersonen zur Seite und modernes medizinisches Knowhow.

Die andere Seite der Medallie

Andererseits birgt das Unsichtbarmachen des Todes auch Risiken. Manchmal vergessen wir, dass wir alle einmal sterben werden. Wir sind uns das Antlitz des Todes nicht mehr gewohnt. Taucht er plötzlich mal auf, hat das nicht selten Überforderung zur Folge. Wir fragen uns: «Wieso musste diese Person sterben?» – wo doch das einzig sichere im Leben das Sterben ist. Uns fehlen passende Worte und oft auch Handlungen, um dieser schmerzhaften Situation angemessen zu begegnen.

Was ist also geboten?

Es steht uns frei, uns mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Die Form ist wählbar, was zu uns und unserer Lebenssituation gerade passt: Ausstellungen und Kunst, Podcasts, Bücher oder (geführte) Gespräche. Was wäre, wenn ich sterben würde? Was beunruhigt mich? Was würde ich bereuen? Was wünschte ich, hätte ich mehr gemacht? Was macht das mit mir, wenn ich diesem Thema für einmal nicht ausweiche sondern mich der eigenen Endlichkeit stelle?

Die gute Nachricht ist: Wir leben und haben das Glück, unser Leben relativ frei gestalten zu können. Es ist also möglich, Prioritäten zu setzen und/oder zu verändern, so dass wir am Lebensende das Leben gelebt und den eigenen Träumen und Wünschen Folge geleistet haben.

Zum Schluss: (m)eine Einstiegshilfe

Das Buch Arven. Das Leben gehört zum Sterben dazu ist genau so eine Einladung, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Die Protagonistin Arven ist ein Wesen, das an der Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits steht und Menschen beim Sterben begleitet. Mit ihr zusammen können die Lesenden Themen rund ums Sterben und Leben ergründen – und Zusammenhänge, die es vielleicht zwischen dem einen und dem anderen gibt.

Die Auseinandersetzung mit dem Sterben ist nicht nur traurig, sondern auch erhellend und beglückend – das Leben zeigt sich wieder als Geschenk, dem wir mit viel Dankbarkeit begegnen dürfen.

Lars Ziörjen hat den Text geschrieben und ich durfte Fotos dazu machen, die neben der Geschichte noch einen visuellen Zugang zum Thema ermöglichen.

 
 

Informationen zum Buch
Arven. Das Leben gehört zum Sterben dazu
Lars Ziörjen, Brigitte Marti
112 Seiten, 32 Farbfotos
30.00 Franken, exkl. Versandkosten
ISBN 978-3-756-83811-0
hier bestellen

 
Weiter
Weiter

Geschenk zur Geburt