Wie spreche ich Suchtthemen an einer Abschiedsfeier an?

In Ritualen wie beispielsweise Abschiedsfeiern begegne ich Menschen, ihren Familiengeschichten und natürlich der Lebensgeschichte der verstorbenen Person. In der Abschiedsfeier soll diese Person noch einmal lebendig werden, unter anderem durch das Erzählen ihrer Lebensgeschichte und dem Teilen von besonderen Momenten, die gemeinsam erlebt wurden. Gerade im Schmerz eines Abschieds werden aber oft vor allem die schönen Momente hervorgehoben, unter Umständen kann so ein verzerrtes Bild entstehen und die Geschichte wirkt plötzlich unecht. Wie werden bei Bedarf Schattenseiten taktvoll angesprochen, damit der verstorbenen Person würdig gedenkt wird?

Herausfordernde Themen

Licht und Schatten kommen in jedem Leben vor, und doch sind sie nicht in jedem Leben gleich verteilt. Suchtkrankheiten, Missbräuche, Gewalt, aber auch andere Verhalten, die moralisch oder gesellschaftlich geächtet werden (z.B. systematisches Fremdgehen, schwere Formen von Eifersucht oder Jähzorn). Auch ein anhaltender Konflikt mit einem anderen Familienmitglied, kann bis über den Tod hinaus Schatten werfen, wenn beispielsweise die betroffene, hinterbleibende Person aus dem Trauerprozess ausgeschlossen werden soll. Hier ist die Kunst, in der Vorbereitung so viel Vertrauen zu den Angehörigen aufbauen zu können, dass ich davon erfahre und dass wir gemeinsam einen passenden Umgang damit finden.

Als nächstes gilt es abzuwägen, ob das Thema in der Abschiedsfeier erwähnt werden soll und wenn ja in welcher Form. Hier gilt es, mit viel Fingerspitzengefühl vorzugehen, wohlwollend und unter Umständen nur so viel zu erzählen, wie nötig ist – manchmal reicht zum Beispiel ein Andeuten, damit für wissende Personen das Bild komplett wird. So wird die Person und ihr Leben von den Anwesenden als authentisch wahrgenommen.

Wichtigkeit von Austausch-Netzwerken

Als Fachfrau für Rituale bin ich oft auf mich alleine gestellt. Umso mehr schätze ich den Austausch in den verschiedenen Netzwerken, von denen ich Teil bin. Da kann ich offene Fragen einbringen, Erfahrungen teilen – und nicht zu letzt auch vom Erfahrungsschatz meiner Kolleg:innen profitieren.

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