Fühlst du das Jahr – oder füllst du es nur?

Wir befinden und nun eindeutig in der zweiten Jahreshälfte. Noch ist es Sommer – aber auch der Herbst macht sich nun immer mehr spürbar. Die Tage werden merklich kürzer und bei manchen kommt Nostalgie auf, weil die Leichtigkeit des Sommers sich schon wieder dem Ende zuneigt. Es ist ein guter Moment, sich zu fragen: Fühle ich das Jahr oder fülle ich es nur?

Füllen

Den Mitgliedern des Teams ‘Füllen’ ist es wichtig, den Sommer und vermutlich ganz allgemein die Zeit maximal auszukosten. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Gerade im Sommer gibt es eine Vielzahl an Veranstaltungen, Open-Air-Kinos und -Konzerte, spontane Festli in Schrebergärten oder auf Dachterrassen. Bei dieser Hitze gehört auch das Abkühlen im See, Fluss oder einem Pool dazu – und das Verweilen und Sitzen bleiben in vergnügten Runden bis spät in die Nacht. Ja, die Nächte, bei denen die Temperaturen nach der Hitze des Tages endlich auf erträgliche Niveaus fallen, laden zu langen Gesprächen mit guten Freund:innen ein.

Wo ist also das Problem?

Fühlen

Im Rausch der üppigen Sommerprogramme geht manchmal die Verbindung zu sich selbst etwas verloren. Oder um es ganz plakativ zu sagen: Beim Füllen geht das Fühlen vergessen. Auch im Sommer braucht es neben den vielen wunderbaren Anlässen Momente des Rückzugs. Was würde dir gut tun? Lesen im Schatten vom Botanischen Garten? Mittagsschlaf in der Hängematte im Wald? Oder einfach aufs Wasser blicken und das Konzert vom Vorabend durch den Kopf gehen lassen?

Persönlich fällt es mir nach kurzen Rückzugsmomenten viel einfacher, mich wieder auf das volle Leben und die Menschen einzulassen. Erst da spüre ich beim Tanzen unter dem freien Himmel wirklich die Fasern meines Körpers, den Beat der Musik, die Verbindung zur tanzenden Menge an einem Festival – und nicht zuletzt die Weite des grossen Himmels.

Was jetzt?

Der Jahreskreis gibt uns Orientierung und unterstützt uns, relativ ausgewogen durchs Jahr zu kommen. Er hilft uns zu verstehen, dass im Sommer eher ein Zuviel an Programmen vorhanden ist. Sommer bedeutet Fülle und das Element, welches wir zuordnen, ist das Feuer. Hitzig, lebendig und üppig. Die stilleren Momente des Rückzugs hingegen müssen bewusst eingeschaltet werden. Umgekehrt ist im Winter der Rückzug die vorherrschende Qualität – und es dürfen gemütliche Abende in einer schönen Runde organisiert werden, um der Qualität des Rückzugs mit Momenten der Gesellschaft zu begegnen.

Das ist alles keine Hexerei: Es braucht nur das Bewusstsein und den Moment des Innehaltens mit der Frage: «Fühle ich es oder fülle ich nur?»

Und vielleicht ist der Abschied des Sommers weniger schmerzhaft, wenn wir ihn etwas bewusster gefühlt haben.

Weiter
Weiter

Als Fotografin an der Tour de Berne